Großes Feld

„Denke global, handele lokal“
In Zeiten von Greta Thunberg und den Fridays for Future Bewegungen ist der Umweltschutz auch in Velbert
endlich auf der politischen Agenda angekommen. Dabei sollten wir aber zuerst einmal vor der eigenen
Haustüre kehren und dort direkt etwas verändern: Bei dem geplanten Gewerbegebiet „Große Feld“ soll eine
sehr wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche von etwa 27 Hektar, die einen Lebensraum für viele
beheimatete und bedrohte Tierarten darstellt, für entbehrliche Gewerbeflächen geopfert werden. Zumal von
den 27 Hektar Grünfläche, die in Industrie- und Gewerbefläche umgewandelt werden soll, aufgrund der
Geländebeschaffenheit netto lediglich 18 Hektar genutzt werden kann. Diese potenziellen Gewerbeflächen
stellen aber neben der enormen Flächenverschwendung auch aufgrund von sogenannten Tunnelerosionen,
also unterirdischen und verzweigten Kanalsystemen welche sich bei Wassereinwirkung laufend verändern
können, eine reale Gefahrenquelle und eine echte Risikokalkulation für die Bauherren selbst dar. Woher das
Wasser auf dem Große Feld kommt, dass für die Erosionen verantwortlich ist, ist ungeklärt, aber „einfache
Aufschüttungen, Abtragungen oder Verfüllungen der Hohlräume bewirken im Falle der Tunnelerosionen
nichts, da es sich hier um einen nicht voraussehbaren Prozess handelt, der von Wassereinwirkungen
beeinflusst wird.“, so der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige Dr. Johannes Botschek. Die
Parteien rechtfertigen dieses Bebauungsprojekt immer noch mit Arbeitsplätzen.Doch werden diese auch
wirklich entstehen? Mit der Industrie 4.0 kommt die Digitalisierung auf uns zu und Produktionsarbeitsplätze
werden durch Maschinen ersetzt. Die Zeiten, wo in einer einzigen Produktionshalle mehr als 1000
Arbeiterinnen beschäftigt waren, sind vorbei. Menschliche Arbeitsplätze fallen weg, Maschinen übernehmen die Produktion – ein Beispiel in unserer eigenen Stadt ist das Unternehmen HUF. Zusätzlich gäbe es in Velbert-Mitte durch die Bebauung der Langenberger Straße keine derartigen Grünflächen, die für Abkühlung sorgen können – damit droht ein Hitzestau im Stadtteil. Schon jetzt haben bereits eine Großzahl der älteren Bevölkerung und Kleinkinder Hitzeanfälle – dies würde sich nur noch weiter verschlimmern. Darüber hinaus hat der Klimawandel die Folge, dass Starkniederschläge und andere Extremwetterlagen immer häufiger vorkommen: bei der Versiegelung von natürlichem, gut durchlässigem Boden kann das Oberflächenwasser, das bei Regen und Starkregen entsteht, nicht mehr an Ort und Stelle versickern. Wassermengen, die nicht von der Kanalisation und Regenrückhaltebecken aufgenommen werden können, fließen in tieferliegende Regionen – in die nächstgelegenen Flüsse und Bäche. Seither gelten der Hardenberger Bach und der Deilbach als Risikogewässer – schon jetzt hat die Bezirksregierung Düsseldorf insbesondere in den unteren Lagen der Langenberger Altstadt, wo der Hardenberger Bach in den Deilbach mündet, ein besonderes Hochwasserrisiko bei Stark- oder Dauerregen, speziell nach längeren Trockenphasen, wenn die Böden nicht sehr wasseraufnahmefähig sind, festgelegt. Bei dem Planungsgebiet südlich der Langenberger Straße handelt sich um ein zweiseitig abfallendes Gelände. Durch seine hohe Bodenqualität bietet die unversiegelte Fläche derzeit noch ein sehr hohes Wasseraufnahmepotenzial. Zwar sind im Konzept des Gewerbegebiets zwei Rückhaltebecken à 3000 m3 Füllmenge eingeplant, aber dennoch befürchten wir hier, dass im Falle einer Realisierung, diese Becken deutlich zu klein dimensioniert sind und dass im Falle von Starkregenereignissen Überlauf- und Bypass-Situationen auftreten, die die ableitenden natürlichen Gewässer beeinträchtigen bzw. zerstören können. Außerdem muss schon jetzt jeder Pendler, der die Langenberger Straße passiert zu den Stoßzeiten Stau einplanen. Durch das geplante Gewerbegebiet würden planmäßig mindestens 4000 zusätzliche Fahrzeugbewegungen pro Tag hinzu kommen – das Verkehrsaufkommen würde sich also im Vergleich zum heutigen Stand drastisch erhöhen! Viel Verkehr hat leider gleichzeitig die logische Konsequenz, dass es rings um das Gewerbegebiet deutlich lauter und unruhiger einhergehen würde: ein Problemfaktor für die Anwohner im Allgemeinen und für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule und des Berufskollegs Bleibergquelle im Besonderen. Schon jetzt klagt die Schüler- und Lehrerschaft über eine zu hohe Lärmbelastung, die das Lernen erheblich erschwert. Mit einem Gewerbegebiet würde die Lärmbelastung erneut ansteigen und eine lockere Lernatmosphäre selbst bei geschlossenen Fenstern wohl stark einschränken. Notwendige Lärmschutzmaßnahmen wurden und werden dennoch nicht umgesetzt. Wie bereits eine Studie des ILS (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung) im Jahre 2006 für die Straße „Lieversfeld“ gezeigt hat, sorgt ständige Lärmbelastung bei Menschen für Herz- Kreislauferkrankungen. Ohne ein Gutachten zum Großen Feld hat die Stadt diese Bebauung veranlasst und riskiert somit diverse Krankheiten für die Anwohnerinnen rund um das potentielle Gewerbegebiet.
Die Bilanz dieses Projekts ist für uns klar:
Durch die Digitalisierung werden überwiegend Maschinen und Computer in den Firmen zur Produktion
eingesetzt – lediglich die Besitzer der Firmen fahren große Gewinne ein und die Bevölkerung, vor allem die
Schüler*innen am Bleiberg, werden währenddessen unter den gesundheitlichen Schäden und der hohen
Lärmbelastung leiden. Für die Beseitigung der Klimaschäden muss dann der Steuerzahler aufkommen!
Das ist für uns die klassische Definition von Umverteilung, aber leider von unten nach oben.

Birgit Onori
c/o DIE LINKE. Velbert
Offerstraße 14a
42551 Velbert